Museum mit einzigartiger Kunststoffabteilung

In Ober-Ramstadt zeigt das Museum in einer Dauerausstellung eine beeindruckende und ansprechend gestaltete Gesamtübersicht der Kunststoffverarbeitung. Es wird anschaulich, dass im Laufe von mehr als 150 Jahren bis in die Gegenwart immer wieder neue Produkte und neue Firmen kamen. Rohstoffe und Arbeitsgeräte sind hier ausgestellt, und Produktionsprozesse lassen sich nachvollziehen. Anhand einer beachtlichen Sammlung von Kämmen beschreibt die Ausstellung das Handwerk der Kammmacher, das seit dem Jahr 1831 in Ober-Ramstadt ansässig war. Kunsthandwerkliche Fertigung von Steckkämmen aus Schildpatt oder Horn und nachfolgende Produkte aus Celluloid sind hier im geschichtlichen Verlauf zu bewundern. Seit dem Einsatz von Kunststoff erweiterten die Hersteller ihre Produktpalette und stellten auch Haushaltungsgegenstände, Bügel für Handtaschen oder Zubehör für Kleider, wie Gürtelschließen und Knöpfe, her.

Als in Darmstadt 1934 die Firma Röhm mit der Produktion von Plexiglas auf den Markt ging, wurde dies der ideale Rohstoff für die örtlichen Kammmacher.

Die Herstellung von Schreibgeräten lässt sich in einem weiteren Schwerpunkt in seiner Entwicklung nachvollziehen.

Über die einstigen Holzfederhalter-Drechsler des Odenwalds, wurden ab 1936 in Ober-Ramstadt Schreibgeräte hergestellt. 1938 schloss sich die Firma Rodenhäuser diesem Produkt an. Füllfederhalter und Drehbleistifte folgten bald. Daran anknüpfend engagieren sich mehrere Betriebe bis in die Gegenwart in der Herstellung von Kugelschreibern und Zeichengeräten. Gezeigt wird auch, dass 1907 Bakelit ins Spiel kam, und zwar vor allem dort, wo Isolationsfähigkeit gefragt war.

Die Firma Wacker und Dörr in Mühltal verwendete den Werkstoff für die Produktion von elektrischen Anlagen im Automobilbau. Bei Bus & Co. in Ober-Ramstadt wurde er für elektrische Hausinstallationen eingesetzt. Seit einiger Zeit gibt es für die Fertigung von Autoteilen die Firma Roland Merz, die auch heute noch Bakelit verarbeitet. Außerdem wird in der Ausstellung die Hinwendung zu Edelkunstharzen thematisiert, ebenso die Verarbeitung von Galalith, aus dem zwischen 1933 und 1945 Winterhilfsabzeichen in Millionenauflage produziert wurden.

Mit Blick nach Mühltal werden bei der Firma Vitri vor allem Haushaltsgegenstände aus Kunststoff ausgestellt, und die Firma Euler steht für Thermoplast-Spritzgießverarbeitung für den Haushaltswarensektor.

Öffnungszeiten sonntags von 14.30 bis 17.30 Uhr

Kontakt Museum Ober-Ramstadt, Prälat-Diehl-Straße 18, 64372 Ober-Ramstadt, Telefon 06154 / 1797 oder 06154 / 52621, info@remove.this.museum-ober-ramstadt.de, www.museum-ober-ramstadt.de

Bunte Vielfalt aus Kunststoff - Haushaltswaren der Firma Heim & Söhne in Ober-Ramstadt

Lifestyle-Produkte der Firma G.F. Heim Söhne

In Ober-Ramstadt ist auch die Firma G. F. Heim Söhne ansässig, die Anfang des 20. Jahrhunderts Kämme und Haarschmuck aus Schildpatt fertigte, später Toilettenartikel, Stock- und Schirmgriffe, Hutnadeln, Knöpfe und Gürtelschließen. In einem so genannten Musterzimmer werden all diese Produkte präsentiert. Dazu gesellen sich die Löffel, Salatbestecke, Zangen, Eieruhren, Tabletts und Messerbänkchen sowie viele andere Trendprodukte, die heute in dem Unternehmen hergestellt werden. Im Jahr 2012 feierte die Firma G.F. Heim ihr 150-jähriges Bestehen, bei dem auch das Konzept der Kunststoffstraße erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Die Ersatzteil-Manufaktur für Mercedes-Benz Klassiker arbeitet mit Bakelit

Die Ersatzteil-Manufaktur für Mercedes-Benz Klassiker von Inhaber Roland Merz hat sich in Ober-Ramstadt mit dem Werkstoff Bakelit auf die anspruchsvolle Produktion von Ersatzstücken für Mercedes-Oldtimer spezialisiert. Das Unternehmen gilt in den Kreisen der Oldtimer-Liebhaber als die erste Adresse für Ersatzteile. Kein Wunder, denn Roland Merz pflegt mit seinem Unternehmen auch seine eigene Leidenschaft für historische Fahrzeuge. Der Erwerb seines Mercedes Ponton 220SE Cab im Jahr 1980 gab den Ausschlag dafür, sich in dieser Branche selbständig zu machen. Als zum Jahresende 1994 die Produktion von Wacker & Doerr eingestellt wurde, erwarb Roland Merz alte Bestände von Verteilerkappen, Verteilerfinger und Kerzenstecker. Seither ist er von den technischen Eigenschaften dieser aus Duroplast/Bakelit hergestellten Produkte beeindruckt, weil sie für den Einsatz in Oldtimerfahrzeugen prädestiniert sind.

Rodenhäuser Werbeleuchten von weit zu sehen

Auch die Firma Rodenhäuser KG Werbeleuchtanlagen in Ober-Ramstadt blickt auf eine lange Geschichte zurück, die laut Briefkopf im Jahr 1893 gegründet wurde und einst in der Kammproduktion tätig war. Ein Foto aus den 1930er Jahren zeigt, dass das Unternehmen damals rund 40 Mitarbeiter hatte. Eindruck machen die großteiligen Werbeleuchten, die heute zumeist von Hand gefertigt, auf Flachdächern und an Häuserfassaden erstrahlen (Telefon 06154 / 1632).